PDC Europe Next Gen Event Nr. 16: Dragutin Horvat schreibt Darts-Märchen
Das 16. und damit letzte Event der PDC Europe Next Gen 2026 hat im Glaspalast in Sindelfingen für einen spektakulären Saisonabschluss gesorgt. Im FA-Cup-Modus kämpften die Spieler nicht nur um den Turniersieg, sondern vor allem um die letzten Tickets für die PDC Europe Super League. Im Mittelpunkt stand dabei Dragutin Horvat, der am letzten möglichen Turniertag noch den Sprung in die Super League schaffte und gleichzeitig seinen ersten Next-Gen-Titel der Saison gewann.
Dragutin Horvat mit sensationellem Comeback
Der große Sieger des Tages war Dragutin Horvat. Der Deutsche ging mit einer klaren Mission in das letzte Turnier: Er musste möglichst weit kommen, um seine Chancen auf einen Super-League-Platz zu wahren. Dass ihm am Ende sogar der Turniersieg gelang, war kaum zu erwarten.
Schon in der ersten K.-o.-Runde stand Horvat vor dem Aus. Gegen Alexander Presser lag er mit 1:3 zurück. Danach zeigte der erfahrene Spieler jedoch seine ganze Klasse und drehte die Partie noch. Besonders beeindruckend war seine Reaktion in den entscheidenden Legs: Mit einer Serie von 15, 14 und 14 Darts holte er sich den Sieg und startete damit seinen unglaublichen Lauf.
Anschließend wurde Horvat immer stärker. Im Achtelfinale besiegte er Franz Rötzsch klar mit 4:0, ehe er im Viertelfinale den Österreicher Ralf Steininger mit 5:2 bezwang. Im Halbfinale wartete mit Patrick Reisenegger ein weiterer Österreicher. Auch hier behielt Horvat mit 5:3 die Oberhand und zog ins Endspiel ein.
Dort kam es zum Duell mit dem Niederländer Jaimy van de Weerd, der bereits die gesamte Saison über zu den dominierenden Spielern der Next Gen gehörte. Das Finale entwickelte sich zu einem echten Krimi. Horvat setzte sich schließlich mit 6:5 durch und gewann damit nicht nur 1.500 Euro Preisgeld, sondern sicherte sich im allerletzten Moment auch das begehrte Ticket für die Super League. Im Finale spielte Horvat einen Average von 91,94 Punkten und war damit seinem Gegner van de Weerd, der 82,02 Punkte erzielte, deutlich überlegen.
Van de Weerd erneut im Finale – und trotzdem enttäuscht
Obwohl Jaimy van de Weerd das Finale verlor, gehört er zu den herausragenden Spielern der gesamten Saison. Der Niederländer erreichte bei acht von 16 Events das Finale und gewann zwei Turniere. In Sindelfingen fehlte ihm nur ein einziges Leg zum Titel. Nach der Niederlage gegen Horvat musste er sich damit begnügen, die Saison als Nummer eins der Next-Gen-Rangliste abzuschließen. Insgesamt sammelte er 9.383 Euro Preisgeld.
Seine Finalniederlage kann deshalb durchaus als eine der größeren Enttäuschungen des Tages bezeichnet werden – allerdings nur im Hinblick auf den Turniersieg. Über die gesamte Saison betrachtet war van de Weerd der konstanteste Spieler der Tour. Dass er im letzten Finale mit 5:6 verlor, konnte seine herausragende Saisonbilanz nicht mehr zerstören.
Eine deutlich bitterere Enttäuschung erlebte Kevin Jußen. Er befand sich vor dem letzten Event in einer aussichtsreichen Position im Kampf um die Super League. Im Achtelfinale führte Jußen bereits mit 3:1 gegen Tim Weber, vergab jedoch mindestens zwei Matchdarts und verlor die Partie noch mit 3:4. Ein Sieg hätte ihm möglicherweise den entscheidenden Sprung in die Top 16 ermöglicht. Stattdessen zog Horvat noch an ihm vorbei.
Auch Jarod Becker musste einen herben Rückschlag hinnehmen. Trotz eines Averages von rund 90 Punkten scheiterte er in der zweiten K.-o.-Runde an Marc Spalt und verpasste damit die Super League. Besonders bitter war dies, weil Becker im Vorjahr noch das Halbfinale erreicht hatte. Auch Patrick Klingelhöfer, Kevin Troppmann, Michael Klönhammer und Franz Rötzsch, die 2025 noch im Super-League-Achtelfinale standen, konnten sich diesmal nicht qualifizieren.
Österreich: Reisenegger sorgt für das beste Ergebnis
Aus österreichischer Sicht war Patrick Reisenegger der große Gewinner des letzten Events. Er erreichte sensationell das Halbfinale und war damit gleichzeitig der erfolgreichste Österreicher des Turniers. Reisenegger gewann zunächst seine Partien gegen Niklas Fuchs, Carl van Mens und Sebastian Alfuth. Im Achtelfinale setzte er sich anschließend mit 4:2 gegen Liam Maendl-Lawrance durch. Im Viertelfinale folgte ein dramatischer 5:4-Erfolg gegen Tim Scholz.
Erst im Halbfinale endete Reiseneggers Lauf. Gegen Dragutin Horvat musste er sich mit 3:5 geschlagen geben. Dabei spielte Reisenegger einen Average von 81,24 Punkten, während Horvat auf 92,19 kam. Mit dem Halbfinaleinzug sicherte sich der Österreicher 400 Euro Preisgeld und bestätigte gleichzeitig seine starke Saison.
Noch wichtiger: Reisenegger beendete die gesamte Next-Gen-Saison auf Rang vier der Main Order of Merit und qualifizierte sich damit souverän für die Super League. Er war damit der bestplatzierte Österreicher. Auch Patrick Tringler schaffte den Sprung in die Super League und beendete die Saison auf Rang elf. Damit sind erstmals mindestens zwei Österreicher über die Next Gen für die Super League qualifiziert.
Rowby-John Rodriguez erreichte beim letzten Event das Achtelfinale. Nach Siegen gegen Marco Jungwirth, Marko Puls und Michael Klönhammer musste er sich dort allerdings seinem Landsmann Ralf Steininger mit 1:4 geschlagen geben. Steininger kam anschließend sogar bis ins Viertelfinale, wo er Horvat unterlag.
Schweiz ohne Super-League-Ticket
Für die Schweiz endete die Next-Gen-Saison dagegen enttäuschend. Der beste Schweizer Spieler Marcel Walpen nahm am letzten Turnier in Sindelfingen nicht mehr teil. Dadurch konnte kein Schweizer mehr entscheidend in den Kampf um die Super-League-Plätze eingreifen. Die Schweiz blieb somit bei der Vergabe der über die Next Gen erspielten Super-League-Tickets ohne Vertreter.
Damit war der letzte Spieltag auch aus Schweizer Sicht ein eher ernüchternder Abschluss. Walpen hatte im Saisonverlauf zwar mehrfach gute Leistungen gezeigt, konnte sich aber nicht unter den entscheidenden Spielern der Rangliste etablieren.
Fazit
Das 16. und letzte Event der PDC Europe Next Gen 2026 hätte kaum dramatischer enden können. Dragutin Horvat verwandelte einen beinahe aussichtslosen Rückstand gegen Alexander Presser in den Beginn eines unglaublichen Turnierlaufs. Über Rötzsch, Steininger und Reisenegger arbeitete er sich bis ins Finale vor und bezwang dort den Saison-Dominator Jaimy van de Weerd mit 6:5. Damit sicherte sich Horvat im allerletzten Moment sowohl seinen ersten Saisontitel als auch das letzte Super-League-Ticket.
Aus österreichischer Sicht glänzte vor allem Patrick Reisenegger mit dem Halbfinaleinzug. Ralf Steininger erreichte das Viertelfinale und Rowby-John Rodriguez das Achtelfinale. Reisenegger und Patrick Tringler dürfen sich zudem über die Qualifikation für die Super League freuen.
Die Schweizer hingegen gingen leer aus. Für sie war Marcel Walpen der wichtigste Spieler der Saison, doch am letzten Spieltag konnte er nicht mehr in das Geschehen eingreifen. Insgesamt zeigte das Finale der Next Gen eindrucksvoll, wie eng die Leistungsdichte im deutschsprachigen Darts mittlerweile ist – und wie entscheidend jedes einzelne Leg sein kann. Besonders Horvats dramatischer Weg zur Super League wird als einer der emotionalsten Momente der gesamten Next-Gen-Saison 2026 in Erinnerung bleiben.
