Swiss Darts Trophy 2026: Jonny Clayton triumphiert in Basel – Suljovic zwischen Sensation und Kontroverse
Basel, 9. bis 11. Oktober 2026
Ein Turnier voller Überraschungen und großer Emotionen
Die Swiss Darts Trophy 2026 in der Basler St. Jakobshalle bot drei Tage lang hochklassigen Dartsport, unerwartete Ergebnisse und reichlich Gesprächsstoff. Vom 9. bis zum 11. Oktober kämpften die besten Spieler der PDC European Tour um den Titel und ein Preisgeld von insgesamt 230.000 britischen Pfund. Am Ende setzte sich der Waliser Jonny Clayton durch und krönte ein starkes Turnier mit einem 8:4-Finalsieg gegen Luke Humphries. Für Clayton war es der vierte Titel auf der European Tour und zugleich sein erster Ranglistentitel des Jahres 2026. Neben dem sportlichen Erfolg des Siegers prägten vor allem überraschende Niederlagen prominenter Spieler und der umstrittene Auftritt des Österreichers Mensur Suljovic das Geschehen.
Jonny Clayton überzeugt mit Konstanz und Nervenstärke
Jonny Clayton erwies sich in Basel als einer der konstantesten Spieler des gesamten Teilnehmerfeldes. Bereits zum Auftakt gegen Maik Kuivenhoven setzte der Waliser mit einem Average von mehr als 108 Punkten ein Ausrufezeichen. In den folgenden Runden bestätigte er seine starke Form und bewies insbesondere gegen spielstarke Gegner, dass er auch unter Druck die entscheidenden Momente für sich nutzen kann.
Im Achtelfinale wartete mit Rob Cross eine besonders schwierige Aufgabe. Der Engländer spielte einen Average von mehr als 106 Punkten, musste sich Clayton aber dennoch mit 4:6 geschlagen geben. Der Waliser blieb ruhig, nutzte seine Chancen auf die Doppelfelder und zog ins Viertelfinale ein. Dort besiegte er den Tschechen Karel Sedlacek souverän mit 6:2.
Auch im Halbfinale gegen den aufstrebenden Niederländer Gian van Veen zeigte Clayton seine Klasse. Mit einem 7:4-Erfolg sicherte er sich den Platz im Endspiel. Dort kam es zum Duell mit Luke Humphries, der sich zuvor ebenfalls in starker Verfassung präsentiert hatte. Humphries hatte unter anderem Krzysztof Ratajski im Achtelfinale mit 6:0 bezwungen und dabei einen Average von mehr als 114 Punkten erzielt.
Das Finale entwickelte sich zunächst zu einem offenen Schlagabtausch. Beide Spieler punkteten auf hohem Niveau, doch Clayton erwies sich auf die Doppelfelder als deutlich effizienter. Besonders entscheidend war ein verpasstes 164er-Finish von Humphries, das Clayton zum Ausbau seiner Führung nutzte. Mit einem abschließenden 12-Darter machte der Waliser den 8:4-Sieg perfekt.
Neben der Trophäe sicherte sich Clayton 35.000 Pfund Preisgeld und die Qualifikation für den Grand Slam of Darts im November. Sein Erfolg war das Ergebnis einer geschlossenen Turnierleistung, bei der er auch gegen Gegner mit hohen Averages die Kontrolle behielt.
Die größten Überraschungen: Favoriten scheitern früh
Die Swiss Darts Trophy war nicht nur das Turnier von Clayton, sondern auch eine Bühne für überraschende Ergebnisse. Besonders ins Auge fiel das frühe Aus von Titelverteidiger Stephen Bunting. Der Engländer musste sich bereits in der zweiten Runde Jeffrey de Graaf mit 4:6 geschlagen geben. Damit endete seine Titelverteidigung deutlich früher als erwartet.
Für großes Aufsehen sorgte auch Mensur Suljovic mit seinem 6:4-Erfolg gegen Michael van Gerwen. Der Niederländer, dreifacher Weltmeister und einer der bekanntesten Namen im Dartsport, konnte seine Chancen nicht konsequent nutzen. Für ihn bedeutete die Niederlage bereits das frühe Ende des Turniers. Es war zudem das vierte Mal im Jahr 2026, dass van Gerwen bei einem European-Tour-Event sein erstes Spiel verlor.
Auch weitere Außenseiter nutzten ihre Chancen. Bradley Brooks erreichte mit Siegen gegen Chris Dobey und Jeffrey de Graaf erstmals das Viertelfinale eines European-Tour-Turniers. Der Tscheche Karel Sedlacek überraschte mit einem 6:2 gegen Josh Rock und erreichte ebenfalls die Runde der letzten acht. Der Spanier Cristo Reyes überzeugte mit seinem Erfolg über Damon Heta und schaffte es bis ins Viertelfinale.
Diese Ergebnisse verdeutlichten, wie eng das Leistungsniveau auf der European Tour inzwischen ist. Selbst etablierte Topspieler können sich ihrer Favoritenrolle nicht sicher sein, wenn ihre Gegner ihre Chancen konsequent nutzen.
Mensur Suljovic: Vom Überraschungssieg bis ins Halbfinale
Aus österreichischer Sicht stand Mensur Suljovic besonders im Mittelpunkt. Der Wiener startete mit einem 6:3 gegen György Jehirszki ins Turnier und sorgte anschließend mit seinem Sieg über Michael van Gerwen für eine der größten Überraschungen des Wochenendes.
Im Achtelfinale wartete mit Ross Smith der nächste hochkarätige Gegner. Suljovic geriet zwischenzeitlich mit 3:5 in Rückstand, kämpfte sich jedoch zurück und erzwang ein Entscheidungsleg. Smith hatte zuvor zwei Matchdarts auf Doppel 18, konnte diese aber nicht nutzen. Suljovic blieb im Spiel, übernahm anschließend die Initiative und gewann die Partie schließlich mit 6:5.
Im Viertelfinale setzte der Österreicher seinen Lauf fort. Gegen Dirk van Duijvenbode zeigte er eine starke Leistung und gewann überraschend deutlich mit 6:1. Damit erreichte Suljovic erstmals seit den Austrian Darts Open 2023 wieder das Halbfinale eines European-Tour-Turniers.
Dort traf er auf Luke Humphries, der sich an diesem Abend als zu stark erwies. Der Engländer gewann mit 7:4 und beendete damit den beeindruckenden Lauf des Österreichers. Trotz des Ausscheidens war Suljovics Turnierleistung sportlich bemerkenswert: Mit Siegen gegen van Gerwen, Smith und van Duijvenbode hatte er mehrere namhafte Gegner ausgeschaltet und sich eindrucksvoll zurückgemeldet.
Die Kontroverse um die Fans: Unsportlichkeit oder erlaubte Psychologie?
Für die größten Diskussionen sorgte allerdings nicht Suljovics sportliche Leistung, sondern sein Verhalten während des Achtelfinales gegen Ross Smith. Die entscheidende Szene ereignete sich, als der Engländer beim Stand von 5:5 zwei Matchdarts auf Doppel 18 erhielt und damit die Möglichkeit hatte, das Spiel zu beenden.
Während Smith an der Abwurflinie stand, reagierte das Publikum in Basel bereits mit Buhrufen. Suljovic animierte die Zuschauer zusätzlich, indem er mit ausgebreiteten Armen Gesten in Richtung der Fans machte. Nachdem Smith seinen ersten Matchdart vergeben hatte, verstärkte der Österreicher diese Reaktion noch. Smith konnte auch seine zweite Chance nicht nutzen und verlor schließlich das Entscheidungsleg.
Das Verhalten sorgte für Kritik, weil im Dartsport Ruhe und Konzentration während des Wurfes eine zentrale Rolle spielen. Zwar gehören lautstarke Zuschauer, Emotionen und psychologische Duelle zur Atmosphäre vieler Turniere. Die gezielte Verstärkung von Buhrufen während eines gegnerischen Matchdarts überschreitet für viele Beobachter jedoch eine Grenze des sportlichen Respekts.
Smith äußerte nach der Niederlage auf der Plattform X deutliche Kritik. Er stellte klar, dass er die Niederlage nicht allein Suljovic zuschreibe, verurteilte dessen Verhalten aber scharf. Sinngemäß warf er seinem Gegner vor, sich unsportlich verhalten zu haben, und erklärte, dass sich ein solches Verhalten irgendwann rächen werde.
Suljovic reagierte später ebenfalls öffentlich. Nach seinem Viertelfinalsieg verteidigte er seine Vorgehensweise und betonte, dass er die Unterstützung des Publikums brauche. Er verwies darauf, dass er bei Turnieren in England häufig selbst mit einem gegnerischen Publikum konfrontiert sei. Zugleich kritisierte er Smiths Beschwerden und äußerte sich abfällig über Menschen, die sich über Niederlagen beklagten.
Auch Moderator Philip Brzezinski widersprach dem Österreicher in einem Interview. Er machte deutlich, dass er dessen Verhalten während der entscheidenden Würfe für übertrieben und unangemessen hielt. Suljovic räumte daraufhin ein, die Situation möglicherweise nicht vollständig wahrgenommen zu haben, und kündigte an, sich die Szenen noch einmal ansehen zu wollen. Grundsätzlich blieb er jedoch bei seiner Ansicht, dass die Unterstützung durch die Fans zum Dartsport gehöre.
Die Diskussion zeigt ein Spannungsfeld, das den Sport immer wieder begleitet: Wo endet legitime psychologische Spielweise und wo beginnt unsportliche Einflussnahme? Suljovic darf das Publikum selbstverständlich mitreißen und von der Atmosphäre profitieren. Die gezielte Aufforderung zu lauteren Buhrufen genau in dem Moment, in dem ein Gegner seinen Matchdart wirft, ist allerdings anders zu bewerten als gewöhnlicher Jubel zwischen den Würfen. Dass Smith beide Chancen vergab, macht die Szene besonders brisant, beweist aber nicht, dass Suljovics Verhalten allein für den Ausgang verantwortlich war.
Fazit: Ein verdienter Sieger und ein Wochenende mit Nachwirkungen
Die Swiss Darts Trophy 2026 wird aus mehreren Gründen in Erinnerung bleiben. Jonny Clayton sicherte sich mit einer starken und effizienten Turnierleistung verdient den Titel und unterstrich seine Position unter den besten Spielern der Welt. Die frühen Niederlagen von Stephen Bunting und Michael van Gerwen sowie der überraschende Viertelfinaleinzug von Bradley Brooks sorgten für zusätzliche Spannung.
Mensur Suljovic lieferte aus österreichischer Sicht ein sportlich starkes Turnier ab. Seine Siege gegen van Gerwen, Smith und van Duijvenbode zeigten, dass er auch gegen hochklassige Gegner bestehen kann. Gleichzeitig überschattete die Kontroverse um die Buhrufe bei Ross Smiths Matchdarts einen Teil seines Erfolgs.
Damit bleibt Basel als Wochenende in Erinnerung, das sowohl die sportliche Unberechenbarkeit der European Tour als auch die Bedeutung von Fairness und gegenseitigem Respekt im Profisport verdeutlichte.
